Praxistipps für Projektmanager

Internationale Benimmregeln

Internationale BenimmregelnAndere Länder, andere Sitten. So globalisiert unsere Welt mittlerweile auch geworden ist, im zwischenmenschlichen Sektor kann einiges schief gehen, wenn verschiedene Kulturen aufeinanderprallen. Sie hatten das Gefühl, Ihr Meeting sei super gelaufen – aber Sie hören von Ihrem potenziellen Interessenten aus dem Ausland nie wieder? Dann haben sie sich vermutlich einen Fauxpas geleistet. Sie haben ihn nicht einmal bemerkt, für Ihr Gegenüber war er ein „Dealbreaker“.

Erste Stolpersteine: Begrüßung und Visitenkarten

Bereits bei der Begrüßung können Sie unbedarft in so manches Fettnäpfchen treten. Begrüßt wird vor allem in asiatischen Ländern wie China und Japan stets in Reihenfolge der Hierarchie. Machen Sie sich also vor dem Treffen unbedingt über die Stellung der einzelnen Teilnehmer kundig.
Ein Handschlag ist mittlerweile fast überall üblich, auch in Ländern, in denen sonst kein direkter Hautkontakt, sondern eine Art Verbeugung praktiziert wird.

Eine Kunst für sich ist die Überreichung der Visitenkarte. Unter gar keinen Umständen sollte diese einfach achtlos in die Hosentasche gesteckt werden! Sie sollten sich Zeit nehmen, die Visitenkarte zu studieren, zu befühlen und diese entweder vor sich auf dem Tisch ablegen oder sie während eines Empfangs in der Hand behalten. Alles andere gilt als extrem unhöflich. In vielen asiatischen oder arabischen Ländern ist es zudem üblich, einem die Visitenkarte nicht zu übergeben, sondern dar zureichen. Sprich: Man präsentiert sie mit beiden Händen, gleich einer Schale.

Titel, Hierarchien, Umgangston

Hierarchien haben in den meisten Ländern deutlich mehr Gewicht als in Deutschland. Darum sollten Sie auch auf Ihrer eigenen Visitenkarte Ihre firmeninterne Position klar zur Geltung bringen. Mit „Diplom-Ing. (FH)“ oder „Bachelor XY“ können die meisten nichts anfangen. Besser sind zum Beispiel „Senior“, „Head of“, „President“, „General Manager“, „Assistant“ usw. So können Ihre Geschäftspartner Sie in die richtige Hierarchieebene einordnen.
Auch das Alter dient dazu, Hierarchien besser strukturieren zu können. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie zum Beispiel in Japan nach Ihrem Alter gefragt werden. Dies ist nicht unhöflich gemeint! Zumal man dem Thema Alter im Sinne von „Lebensweisheit“ in diesen Kulturen mit viel Wertschätzung und Respekt gegenübertritt. Umgekehrt dürfen Sie Ihr Gegenüber ebenfalls nach dem Alter fragen.
Titel sind in vielen anderen Ländern ebenso wichtig, auch wenn ihre Aussagekraft manchmal etwas schwammig ist. In Italien ist zum Beispiel fast jeder ein „dottore“ beziehungsweise eine „dottoressa“. Ganz egal, ob man nun Ingenieur ist oder in einem Fach promoviert hat. Während man in der englischen Sprache die leidige Frage „Sie oder du?“ umgehen kann, ist es in vielen mediterranen Ländern üblich, relativ bald zum „Du“ überzugehen. Auch sollten Sie nicht in Schockstarre verfallen, falls Sie in Frankreich, Italien & Co nach näherem Kennenlernen mit angedeuteten Wangenküsschen oder Umarmungen begrüßt werden.

Zeit nehmen, Wertschätzung ausdrücken

Der Leitspruch „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ ist typisch deutsch und in den meisten Ländern nicht gern gesehen. Wer sich sofort aufs Geschäftliche stürzt, kann potenzielle Geschäftspartner verprellen. Sie drücken mehr Wertschätzung aus, indem Sie Ihren ausländischen Gästen zunächst eine Führung durch Ihre Firma anbieten, sie zu einem Geschäftsessen einladen oder ihnen eventuell sogar Ihren Standort durch eine Stadtführung näherbringen.
Wer Kunden im Ausland besucht, sollte auch entsprechende Geschenke im Gepäck haben. Dies können nicht nur firmeneigene Werbemittel sein, sondern landes- oder regionaltypische Besonderheiten wie Kulinarisches oder Handwerkliches.
Absolutes No-Go: Ein Meeting mit gehetztem Blick auf die Uhr betreten und den Anwesenden ankündigen, dass man bereits in einer Stunde den nächsten Termin habe und deshalb die Besprechung zügig durchgehen wolle. Weniger Wertschätzung geht kaum!

Small Talk: Do’s and Dont’s

Ob Trump, Brexit oder Wahlergebnisse: Politische Themen sollten im Gespräch unbedingt vermieden werden. Selbiges gilt für die Themen Religion sowie das eigene, gesundheitliche Befinden. Die Fragen „How are you?“ oder „Come sta?“ sind eher rhetorischer Natur. Wichtig: Negative Themen kommen generell nie gut an. Strittige Punkte sollten, wenn überhaupt, positiv formuliert werden.
Fokussieren Sie sich stattdessen lieber auf leichte Themen wie liebste Freizeitbeschäftigungen, Sport (sowohl eigene Sportinteressen, als auch internationale Events wie Fußball- oder Leichtathletik-WM), Reiseerfahrungen, das Wetter sowie Bücher und Filme, Kunst und Kultur. Über letzteres lässt es sich besonders gut unterhalten, da Ihnen Ihre Gastgeber – oder falls Sie selbst der Gastgeber sind – gerne mehr über Sehenswürdigkeiten oder die historische Besonderheiten Ihres Landes erzählen möchten.

Fragen nach dem Privatleben können sich ebenfalls kniffelig gestalten. Während man hierzulande das Private privat sein lässt, ist es in anderen Ländern üblich abzufragen, ob Sie verheiratet sind und Kinder haben. Auch umgekehrtes Interesse wird als höflich vorausgesetzt. Aber Vorsicht: In manchen muslimischen Ländern gilt die Frage nach dem Wohlergehen der Frau als übergriffig. Hier fragt man, wie es der Familie geht. Der Begriff „Familie“ beinhaltet hierbei nicht nur Frau und Kinder, sondern auch die Eltern, Geschwister, Onkel und Tanten, Neffen und Nichten, Cousins und Cousinen…

Mode, Stil und die unterschiedliche Bedeutung von Farben

Auch in Ländern mit heißem Klima ist die Kombination aus kurzärmeligen Hemd mit Krawatte nicht gern gesehen. Insbesondere in Modeländern wie Italien und Frankreich dürfte Ihnen dies so manch verstecktes Kopfschütteln einbringen. Achten Sie stattdessen lieber auf Anzügen aus leichten Materialien mit einem hohen Anteil an Naturfasern wie Baumwolle und Tencel. Diese sind atmungsaktiv und können das Schwitzen eindämmen. In konservativ geprägten Ländern sollten Frauen darauf achten, dass Ausschnitt und Rocklänge auf angemessener Höhe enden. Vorsicht ist bei Farben geboten! Während Schwarz und Weiß im internationalen Dresscode überall akzeptiert sind, sollten Sie zum Beispiel in Indien und China keine Geschenke in weißes Papier einpacken oder weiße Blumen verschenken. Denn hier gilt die Farbe Weiß als Toten- und Trauerfarbe. Trauen Sie sich ruhig an kräftigere Farben heran. Rot und Orange gelten als Glücksfarben.

Offenheit demonstrieren, Toleranz zeigen

Gehen Sie offen auf fremde Kulturen zu, bezeugen Sie Interesse an dem anderen Land. Natürlich brauchen Sie als Vegetarier weder Hundefleisch noch Affenhirn zu essen. Doch es kann nicht schaden, sich zum Beispiel in Großbritannien den traditionellen Afternoon-Tea einschenken zu lassen, anstatt auf einen Kaffee zu bestehen. Umgekehrt sollten Sie als Gastgeber ethisch motivierte Essensgebote beachten. Indischen Geschäftspartnern sollten Sie kein Rind auftischen, muslimischen kein Schwein, bei jüdischen sollte das Essen koscher sein.
Wer auf Nummer Sicher gehen will – setzen Sie bei Geschäftsessen auf einige vegetarische und vegane Alternativen. Linkshänder sehen sich in manchen Kulturen besonderen Herausforderungen gegenüber: Die linke Hand gilt als „unrein“. In muslimischen Ländern ist es zum Beispiel ratsam, mit der rechten Hand zu essen.

Von Dubaiquette bis China: Individuelles Coaching ratsam

Benimmregeln können von Land zu Land, von Region zu Region, je nach Branche und ob der Geschäftspartner in einer Millionenmetropole wie Mumbai oder im ländlichen Gebiet verortet ist, erheblich variieren. Es ist nahezu unmöglich, sich diesbezüglich in Eigenregie einen Überblick zu verschaffen.
Tipp: Unternehmen können auf die professionelle Expertise eines spezialisierten Knigge-Coaches zurückgreifen. In entsprechenden Schulungen wie zum Beispiel bei der Deutschen Knigge-Gesellschaft erfahren Sie alles Wissenswerte über Geschäftsessen, Sitzordnung, Begrüßung und Sonstiges

Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Thema gemacht? Ist Ihnen vielleicht diesbezüglich schon ein Fauxpas unterlaufen? Mit welchen Themen und Aufmerksamkeiten konnten Sie punkten? Wir freuen uns auf Ihre Anregungen!

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