Braintool News, Praxistipps für Projektmanager, Projektmanagement News

GPM Round Table: Projektmanagement in Krisensituationen

GPM Round Table

Der GPM Round Table der Region Suttgart ist eine Gruppe von erfahrenden Projektleitern, die sich zwei bis drei mal pro Jahr zu einem intensiven Erfahrungsaustausch treffen. Die Treffen finden, wenn möglich, immer bei unterschiedlichen Unternehmen statt, wodurch das Umfeld und der Blick hinter die Kulissen abwechslungsreich gestaltet wird.

Am 22. September haben wir den 18. GPM Round Table in unserem Hause ausrichten dürfen. Da wir als Projektmanagement Software-Firma keine Produktionsstätten oder hochautomatisierte Maschinen vorweisen können, haben sich die Teilnehmer mit einer Führung durch die Villa Amann, unserem Firmensitz, zufrieden geben müssen.

Doch die Abwechslung schien gut angekommen zu sein, wie Dieter Wiesner, der Organisator des Stuttgarter GPM Round Tables, in seiner Nachlese sehr nett beschrieb.

Traumhaft berührend war die Tour durch die Villa Amann. „Es gab noch keinen, der nicht begeistert eine Führung verließ“, sagte uns Herr Reichl in einer höchst bescheidenen Art … und diese Bemerkung verstanden wir sofort. Ich bedanke mich nochmals im Namen aller Round Tabler der GPM für die Einladung, die Bewirtung und die Führung durch das Haus.

Im Anschluss an die Führung folgten dann unter der Überschrift Projektmanagement in Krisensituationen drei Impulsvorträge und jede Menge Erfahrungsaustausch und interessante Diskussionen.

Risiko- und Sicherheitsmanagement

Der erste Vortrag von Herrn Schmidt gab uns einen interessanten Einblick in das Thema Risiko- und Sicherheitsmanagement in Großprojekten wie beispielsweise beim Bau eines Flughafens in Ägypten, bei der Errichtung von Anlagen wie dem CERN oder auch beim Bau von Kernkraftwerken. Wie kann man Risiken bei Projekten dieser Art, welche höchste Sicherheitsanforderungen haben, möglichst gering halten?

Sicherheitsingenieure bezeichnen mit Risiko das Produkt von Eintrittswahrscheinlichkeit und Ereignisschwere. Die Risiken müssen lückenlos erfasst und priorisiert abgearbeitet werden. Eine der größten Herausforderungen ist, die richtigen Personen für eine offene Kommunikation zu gewinnen. Denn Risiken und Probleme werden nicht einfach so mal ausgeplaudert. Es bedarf der richtigen Fragen und Geduld um den Moment zu erreichen, indem alle Risiken offen auf den Tisch kommen. Abschließend verriet uns Herr Schmidt noch zwei ganz wesentliche Aspekte beim Risikomanagement, die nicht übersehen werden dürfen. Nämlich das Risiko menschlicher Arroganz und Inkompetenz. 😉

Krise als Chance verstehen

Als nächstes gab uns Matthias Lamparter von OSMO Membrane Systems einen interessanten Einblick wie sein Unternehmen die Krise als Chance verstand um sich neu aufzustellen. OSMO ist im Bereich der Membrantechnologie tätig und hat fast 25 Jahre Erfahrung in in diesem Bereich mit mehr als 700 gebauten Anlagen im In- und Ausland.

In den bisher eher breit gestreuten Geschäftsfeldern, erfolgte eine klare Priorisierung. Umstruktuierungsmaßnahmen im Projektmanagement, Vertrieb, Pilotierung und Service trugen zur Fokussierung in den Fachbereichen bei. Im Vertrieb wurde gegen den Trend ein neuer Mitarbeiter eingestellt, der sich ausschließlich auf den Automotive Sektor konzentriert. Ebenso wurden Neuinvestitionen in EDV und Software vorgenommen. Durch die vorgestellten Maßnahmen ist es OSMO gelungen, die fehlende Investitionsbereitschaft der Kunden durch erhöhte Dienstleistung weitestgehend zu kompensieren.

Innovationsprojekte

Der letzte Vortrag am diesem Nachmittag hielt Dieter Wiesner von Festo zum Thema Innovationsprojekte. Auf seine erste Frage, woran Projekte in der Krise scheitern waren Antworten schnell gefunden: Wechselnde Anforderungen, Anpassungen im Zusammenspiel, Veränderungen in der Umgebung, Ressourcensituation, Management, Politik, Konflikte, etc.

Was hat sich in den letzten Jahren verändert? Organisationen und Prozesse werden mehr und mehr komplex – eine Steigerung von kompliziert! Eine Uhr zu zerlegen und wieder zusammen zu bauen ist kompliziert, jedoch sind die Schritte bei gewissenhafter Arbeit nachzuvollziehen. Einen Gehirntumor nachhaltig zu entfernen ist ein sehr komplexes Vorhaben. Das bedeutet, komplizierte Dinge sind wohl schwer erfassbar und sehr schwierig, jedoch enthalten Sie keine hohe Dynamik. Komplexe Prozesse haben eine hohe Dynamik, bergen also viele Überraschungen, und sind daher schwerer planbar.

Wie kann man also mit einem komplexen Umfeld umgehen? Kurz zusammengefasst plädiert Herr Wiesner für mehr Agilität im Projektmanagement. Im Vordergrund steht der Mensch, die Kommunikation im Team und ein direkter Austausch mit dem Auftraggeber. Prinzipien anstatt starrer Regeln, gemeinsames Interesse anstatt klarer Verantwortungen und kleinere Dokumentation anstatt umfangreiche Lastenhefte. Durch diese Veränderungen werden auch ganz neue Anforderungen an den Projektmanager gestellt. Der Projektleiter von Heute ist ein Netzwerker, sorgt für ein motiviertes Team, kann sich und sein Team kontinuierlich an veränderte Situationen anpassen, lebt Vertrauen statt Kontrolle und kann mit Risiken und Überraschungen umgehen.

Projektmanagement durch Softskills, Vertrauen und Können

Alles in allem wurde uns wieder einmal klar, dass man sich auf die hohe Dynamik unserer Zeit lediglich einstellen, sie aber nicht aufhalten kann. Ein informelles Gespräch am Kaffeeautomaten kann mehr bewirken, als eine Aktivität, die in einem Projektplan steht. Wir fanden einen Konsens, dass das Thema Softskills, Vertrauen und Können derzeit einen besonderen Schwerpunkt in der Projektarbeit verdient hat. Darum nahmen wir gerne das Angebot von Herrn Mauersberger von BeOne Group an, beim nächsten Termin tiefer in die Theorie und auch die Praxis des gewaltfreien Konfliktmanagements einzutauchen.

Weitere Informationen zu GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.

Die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement ist mit über 5.300 Mitgliedern das größte Kompetenznetzwerk von Projektmanagement-Experten auf dem Europäischen Kontinent. Über den Dachverband IPMA (International Project Management Association) ist die GPM weltweit vernetzt.

Als gemeinnütziger Verein für alle Fragen des Projektmanagements bietet die GPM seit 30 Jahren umfangreiche Serviceleistungen für Mitglieder, Unternehmen, Ausbildungseinrichtungen, Politik und Verbände.

1 Trackback

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.