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Tit for Tat: die Lügenstrategie

Die Tit-for-Tat-Strategie

In unserem Blog berichten wir ja regelmäßig über den Projektmanagement Podcast „Abenteuer Projekte“ von Mario Neumann.  Kürzlich griff Mario Neumann in seinem Podcast „Macht Lügen Sinn“ ein heißes Eisen auf, die durch Robert Axelrod bekannt gewordene Strategie Tit for Tat und übertrug sie auf den Projektmanagement-Bereich.

In den Grundzügen beschreibt die Strategie eine spieltheoretische Verhaltensweise und geht von der Annahme aus, dass das eigene Verhalten in Entscheidungsfragen immer zunächst auf den eigenen Vorteil und das eigene bestmögliche Abschneiden im Verhältnis zum Spielpartner ausgerichtet ist. Und dabei gilt: Den größten Erfolg bzw. Gewinn hat der, der lügt.

Das hat zur Folge, dass in einer theoretischen Auseinandersetzung zweier handelnder Personen jeder so entscheidet, dass er selbst am besten davon kommt. Auf lange Sicht, d. h. wenn sich beide Spielpartner wiederbegegnen, liegt das Resultat jedoch in einem schlechten Abschneiden beider Parteien. Einer Abwärtsspirale von gegenseitigem Verrat und Misstrauen – zum Schaden beider.

Kooperieren oder nicht kooperieren?

Nicht nur im Projektmanagement kennen wir dieses Verhalten nur zu gut: Wer sich kooperativ zeigt und dabei von der Gegenseite enttäuscht wird, weil diese auf den eigenen Vorteil bedacht war, sinnt auf Rache. Und mal ehrlich: Wer hat noch nie versucht, im Berufsalltag einen Konkurrenten, einen Mitarbeiter oder gar den Vorgesetzten in Misskredit zu bringen und zwar nur aus dem Grund, weil man sich selbst durch die Handlungen anderer geschädigt oder in die Ecke gedrängt fühlte?

So oft orientiert sich das eigene betriebsinterne Arbeitsverhalten, gerade auch bei der Teamarbeit in speziellen Projekten, zum Großteil am Verhalten anderer Menschen. Man agiert und reagiert – und das zumeist ohne Plan, wie das Handeln zu einem besseren Ergebnis führt. Projektarbeit ist häufig von der sozialen Komponente innerhalb des ausführenden Teams geprägt und nicht etwa vom Bestreben aller, möglichst effektiv zu einem bestmöglichen Resultat zu gelangen.

Wer immer nur kooperiert macht sich angreifbar

In Neurods Spieltheorie ist der grundsätzlich Kooperative jedoch der größte Verlierer. Auch aus der Realität kennen wir dieses Phänomen: Wer sich stets kooperativ zeigt, macht sich durchschaubar und wird auf lange Sicht ausgenutzt.

Die beste „Lügen- bzw. Kooperationsstrategie“, bei der beide Parteien auf lange Sicht den meisten Gewinn erzielen, ist nach Tit for Tat daher:

  1. Zuerst kooperieren
  2. Ab dann immer so verhalten, wie sich der andere beim letzten Mal verhalten hat

Dies setzt jedoch voraus, dass wir

  • keinen Neid an den Tag legen. Neid auf den Erfolg des Anderen resultiert in dem Wunsch nach Sabotage. Sabotage führt wiederum zur genannten Abwärts-Spirale, weil sich der andere hintergangen fühlt und ebenfalls nicht mehr kooperativ auftreten wird.
  • nicht langfristig nachtragend sind. Zeigt sich der andere wieder kooperativ, müssen wir uns auch wieder kooperativ zeigen.
  • fähig sind, zum passenden Zeitpunkt richtig zu lügen.

Die Fähigkeit zur strategischen Lüge ist damit nicht nur laut Soziologen wesentlicher Faktor für den gesellschaftlichen – und beruflichen – Erfolg sowohl des Einzelnen als auch der Gemeinschaft. Wobei die Betonung auf strategisch liegt, denn wer gewinnen will, darf nicht emotional reagieren. Was wiederum begründen dürfte, warum es nach wie vor Kriege – vom nachbarschaftlichen Kleinkrieg bis zu Kriegen zwischen Konzernen und Nationen – gibt. Denn würden alle nach der Tit-for-Tat-Strategie handeln, so gäbe es nur noch Kooperation, da alle das letzte Verhalten, deren Ursprung immer Kooperation ist, spiegeln. Selbst die Fähigkeit zur Lüge wäre dann hinfällig …

Was denken Sie über die Tit-for-Tat-Strategie? Macht Lügen tatsächlich Sinn? Haben Sie vielleicht sogar ein Praxisbeispiel für uns?

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