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Führungsstile im Überblick

Im Bereich Mitarbeiterführung ist sowohl Menschenkenntnis, als auch Sachverstand gefragt. Die besten Projekte können scheitern, wenn Mitarbeiter nicht an einem Strang ziehen, Vorgaben nicht umsetzen, unmotiviert oder nicht gut angeleitet sind. Als Projektmanager übernehmen Sie eine Funktion die Leistung des Teams zu koordinieren, planen und zu überwachen.

Welcher Führungsstil der richtige ist, hängt auch von Faktoren wie der Qualifikation der Mitarbeiter, dem Aufbau des Unternehmens, der Branche und den Aufgabenfeldern ab. Allgemein geht der Trend weg von autoritären Führungsstilen, von denen sich insbesondere jüngere Fachkräfte kaum angesprochen fühlen. Im schlimmsten Fall könnten sie dadurch den Arbeitgeber wechseln. Moderne Führungsstile setzen vermehrt auf Austausch, Eigeninitiative und Kooperation. Zudem werden sie situativ eingesetzt.

Der Psychologe Kurt Lewin hat in den 1930er Jahren folgende drei Führungsstile formuliert:

Der autoritäre Führungsstil

Einer führt, alle folgen. Mitarbeiter erhalten klare Vorgaben, die sie zu erfüllen haben. Mitspracherecht und eigener Handlungsspielraum sind stark eingeschränkt. Meist sind die Mitarbeiter bloße „Befehlsempfänger“. Dies führt einerseits zu schnellen und planbaren Ergebnissen, andererseits jedoch zu starker Demotivation. Das Verhältnis bleibt distanziert, die Angestellten fühlen sich emotional nicht an das Unternehmen gebunden. Will ein Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter in Zukunft halten, ist dies keine dauerhafte Lösung.

Dieser Führungsstil kann dennoch in manchen Branchen angebracht sein und kann zum Beispiel auch dort, wo es um Leben und Tod geht, genutzt werden, zum Beispiel bei der Polizei, Feuerwehr, dem Militär oder bei einer Notfall-OP.

Liegt ein starkes Wissensgefälle vor, zum Beispiel bei Aushilfskräften, nutzen manche Führungskräfte ebenfalls diesen Führungsstil. Unternehmen greifen meist in Notsituationen auf den autoritären Führungsstil zurück. Zum Beispiel wenn ein Projekt zu scheitern droht oder wenn ein Unternehmen vor der Insolvenz steht. Dann bleibt keine Zeit mehr für differenzierte Abwägungen, es müssen mitunter unpopuläre Entscheidungen getroffen werden, um handlungsfähig zu bleiben.

Der kooperative Führungsstil

Diese Variante ist momentan besonders beliebt. Sie stellt einen Mittelweg dar, der sowohl für die Führungsebene, als auch für die Beschäftigten als gewinnbringend angesehen werden kann. Mitarbeiter werden in Entscheidungsprozesse eingebunden, es findet ein reger Austausch zwischen den einzelnen Ebenen statt. Dadurch können neue Sichtweisen, Ideen und Ansätze entstehen. Zudem fühlen sich die Beschäftigten ernst genommen und sind motivierter. Kollegialität und WIR-Gefühl werden gestärkt. Aufgaben können delegiert und Verantwortungsbereiche übertragen werden, ohne dabei den Überblick zu verlieren.

Mögliche Nachteile: Je mehr Leute mitreden, desto größer ist die Gefahr, dass keine Resultate erzielt und Entscheidungen auf die lange Bank geschoben werden. In solchen Fällen gilt es für Projektmanager auszutarieren, wann die Zügel wieder fester angezogen werden sollten. Zudem heißt es, klare Prioritäten zu setzen.

Der Laissez-faire Führungsstil

Hier tritt die Führungsebene weitestgehend in den Hintergrund, die Teams und Mitarbeiter organisieren sich selbst. Sie erhalten gewisse Rahmenvorgaben, die detaillierte Umsetzung bleibt ihnen selbst überlassen. Voraussetzung dafür ist, dass die Mitarbeiter über die entsprechende Qualifikation und Selbstdisziplin verfügen, die Aufgaben selbstständig zu lösen.

Zudem sollten die Teams sorgfältig zusammengestellt sein, um Hahnenkämpfe oder Alleingänge zu vermeiden. Der Projektmanager sollte zudem darauf achten, dass seine Autorität trotz weitestgehender Zurückhaltung akzeptiert wird. Für hochkomplexe Industrie- und Handelsbetriebe ist dieses Modell weniger empfehlenswert. Ganz anders sieht es in Kreativberufen aus, hier ist das „freie Arbeiten“ üblich. Auch an Bildungseinrichtungen wie Universitäten wird dieser Führungsstil gerne gepflegt, um Nachwuchskräfte an eine eigenständige Arbeitsweise heranzuführen.

Vorteil: Die Mitarbeiter sind motiviert, da sie sich ganz entfalten und eigenen Ideen einbringen können.

Neben diesen drei bekanntesten Führungsstilen haben weitere Experten wie der Soziologe Max Weber andere Kategorisierungen vorgenommen. Dieser unterscheidet den patriarchalischen, charismatischen und bürokratischen Führungsstil. Daneben gibt es den zweigliedrigen Führungsstil nach Blake-Mouton, welcher die Sach- und Produktionsorientierung der Menschen- und Mitarbeiterorientierung in einem Diagramm gegenüberstellt.

Der moderne Führungsstil: Situativ und personenbezogen

Experten sind sich einig: Es gibt nicht den EINEN richtigen Führungsstil. Manchmal kann ein Wechsel der Führungsstile nötig sein. Der moderne Führungsstil richtet sich flexibel auf die Situation und vor allem auf den betreffenden Mitarbeiter ein. Auszubildende müssen zum Beispiel anders geführt werden als erwachsene Mitarbeiter, da es ihnen an Lebenserfahrung mangelt. Mit Lob und Hilfestellungen erreichen PMs mehr als mit Tadel und Kritik. Auch ältere Mitarbeiter, die sich von ihren jüngeren Kollegen eventuell abgehängt fühlen, bedürfen eines besonders feinfühligen Führungsstils. Das Führen von internationalen Mitarbeitern oder von hochspezialisierten Fachkräften folgt ebenfalls eigenen Regeln. Den goldenen Mittelweg zu beschreiten, kann für PMs durchaus spannend sein und wird nicht immer auf Anhieb gelingen. Toleranz, offene Kommunikation und gegenseitige Wertschätzung sind jedoch wesentliche Pfeiler, die zu einer guten Zusammenarbeit beitragen.

Welchen Führungsstil bevorzugen Sie? Was zeichnet diesen aus? Welche Ansätze halten Sie im Alltag für weniger praktikabel? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit!

Bildquelle: © Can Stock Photo | canstockphoto.de

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